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Naturschutzgebiete im Raum Gönningen


Es handelt sich um drei Naturschutzgebiete (NSG; Zuständigkeit Höhere Naturschutzbehörde, d.h. RP Tübingen) und drei Flächenhafte Naturdenkmale (ND; Zuständigkeit Untere NS-Behörde, d.h. Landratsamt RT), deren rechtliche Vorschriften im Landesnaturschutzgesetz, speziell in den $$ 21 und 24 bzw. 48 und 58 festgelegt sind. Die Flächen befinden sich im Besitz der Stadt Reutlingen und umfassen ein Gesamtareal von 11 ha, die sich wie folgt zusammensetzen:

Eine nähere Beschreibung und Einordnung der drei NSGs ist in "Naturschutzgebiete im Regierungsbezirk Tübingen" zu finden. Die Pflege wird von Rainer Ganzner und Gerhard Nitter unter Mithilfe von Mitgliedern der Ortsgruppe Gönningen des Schwäbischen Albvereins und des Bund Naturschutz Alb-Neckar (BNAN) vorgenommen.

NSG Einwinkel

Wer GoogleMaps kennt oder kennelernen will, kann sich das Bild der Fläche holen und von da aus eine Navigation des gesamten Gebietes auf der Gemarkung Gönningen durchführen.

    Weitgehend ebene Fläche auf Weißjura Kalkmagerrasen
    Eingestreute Baum- und Gebüschgruppen
    Höhe 700-750m
    Beweidung mit Schafen ab Ende Juli

Botanische Besonderheiten: Biotop für Orchideen. Um die Arten und deren Schutzwürdigkeit kennenzulernen, wird die Teilnahme an den Führungen empfohlen.
Besonderheiten unter den Nicht-Orchideen sind der Quirlsalbei (Salvia verticillata), das Jakobsgreiskraut (Senecio jacobaea) und der Abgebissene Pippau (Crepis praemorsa). Die Wiese ist übersäht mit den typischen Pflanzen für Kalkmagerrasen wie sehr früh die Echte Schlüsselblume (Primula veris), später Wiesensalbei (Salvia pratensis), Kopfige Teufelskralle (Phyteuma orbiculare), Bergklee (Trifolium montanum), Knäuel-Glockenblume (Campanula glomerata), Heilziest (Betonica officinalis) und Kleines Mausohrhabichtskraut (Pilosella officinarum). An Stellen mit Kalkauswaschung finden sich der Flügelginster (Genista sagittalis) und die Blutwurz (Potentilla erecta).

Probleme und Pflegearbeiten:Vor einigen Jahren wurden die Gehölzgruppen ausgelichtet. Unter den Bäumen waren viele Eschen, die lichtliebend sind und nach dem Auslichten sehr stark schossen. Die Jungtriebe müssen jährlich entfernt werden, um eine Wiederbeschattung zu vermeiden. Besonders problematisch ist das über die Jahre sehr starke Zunehmen des Zottigen Klappertopfes (Rhinanthus alectorolophus).

NSG Taubenäcker

    Von Wald umgebene Feuchtwiese mit östlicher Hanglage
    Typische Kohldistel-Wiese
    Wiesaztal mit angrenzendem Bachlauf
    Vereinzelt Obstbäume im Bestand

Botanische Besonderheiten: Die Wiese ist durchsetzt mit Stellen der Trollblume (Trollius europaeus), des Weichen Pippau (Crepis mollis), der Roten Lichtnelke (Silene dioica) und der Kohl-Kratzdistel (Cirsium oleraceum). Für die Trollblume gibt es nur wenig verbliebene Standorte im Gebiet der Schwäbischen Alb.

Probleme und Pflegearbeiten: Hohe Bäume, besonders Eschen, am Rand des Gebiets beschatten den Standort. Eine Anfahrt mit Geräten einschließlich Einachsmäher ist kaum möglich. Der Bestand wird jährlich im August per Motorsense und teilweise nochmals im Oktober gemäht. Das Mähgut wird am Rand der Fläche deponiert, da weder ein Abtransport noch Verbrennen in Frage kommt.
Ein besonderes Problem stellt die Kanadischen Goldrute (Solidago canadensis) dar, die sich ausgehend von einem benachbarten, in früheren Jahren unsachgemäß gepflegten ND-Grundstücks ausgebreitet hat. Die einzelnen Stellen müssen per Hand ausgerupft werden. Eine Bekämpfung ist insbesondere deshalb erforderlich, weil die Fläche unmittelbar am Oberlauf der Wiesaz liegt und bekanntlich der Samen über das Flußsystem in den Tälern verbreitet wird.

NSG Unter Lauhern

    Halbtrockenwiese am Fuße des Albtraufs
    Süd/Ost-Lage am Waldrand
    Geringe Beschattung, Hanglage
    Vereinzelte Baum- und Gebüschgruppen

Botanische Besonderheiten: Biotop für Orchideen. Um die Arten und deren Schutzwürdigkeit kennenzulernen, wird die Teilnahme an den Führungen empfohlen.
Früh blühend das Gelb der kleinen Schmetterlingsblütler Wundklee (Anthyllis vulneraria), Hufeisenklee (Hippocrepis comosa) und Hornklee (Lotus corniculatus). Später purpurrot ein besonders reicher Bestand der Knolligen Kratzdistel (Cirsium tuberosum) und des einjährigen Acker-Wachtelweizen (Melampyrum arvense). Darunter mischen sich gelb Bocksbart (Tragopogon pratensis) und Knolliger Hahnenfuß (Ranunculus bulbosus), blau die Wiesen- (Campanula patula) und Rundblättrige Glockenblume (Campanula rotundifolia) sowie bläulichrot die Skabiosen-Flockenblume (Centaurea scabiosa) und Wiesen-Witwenblume (Knautia arvensis). Außerdem rosa die Esparsette (Onobrychis viciifolia). Häufig auch die seltenen Kräuter Nordisches Labkraut (Galium boreale) und gelb an verschiedenen Stellen der Abbiss-Pippau (Crepis praemorsa) und der Färberginster (Genista tinctoria). Letzterer findet sich vor allem rund um die Anhäufungen der Roten Waldameise, die es hier zahlreich gibt.

Pflege-Arbeiten: Die Fläche wird per Einachsmäher an einem Termin zwischen Ende Juli und Anfang August gemäht; das Schnittgut wird verbrannt, solange sich niemand findet, der daran interessiert ist, dieses für die Biogasanlage oder als Heu für die Fütterung zu verwerten. Gelegentlich sind Gehölzarbeiten an den eingesprengten Hecken und Bauminseln sowie am Waldrand erforderlich.

ND Apothekerwiese

    Ebene Nasswiese im Tal
    Typische Pfeifengraswiese
    Moorige Stellen
    Umgeben mit Weidenhecke, keine Beschattung

Botanische Besonderheiten: Biotop für Orchideen. Um die Arten und deren Schutzwürdigkeit kennenzulernen, wird die Teilnahme an den Führungen empfohlen.
Frühblüher auf dem Biotop sind hellrosa der Kleine Baldrian (Valeriana dioica), hellgelb die Spargelerbse (Lotus maritimus) und weiß das Breitblättrige Wollgras (Eriophorum latifolium). Zur gleichen Zeit ist die Wiese übersäht mit blühenden Binsen- und Seggen-Arten, z.B. Glieder-Binse (Juncus articulatus), Blaugrüne Binse (Juncus inflexus), Davalls Segge (Carex davalliana), Fuchs-Segge (Carex vulpina), Blaugrüne Segge (Carex flacca) und Hirsen-Segge (Carex panicea). Später blühen Exemplare der Knolligen Kratzdistel (Cirsium tuberosum) und unter den Doldenblütlern die Wiesensilge (Silaum silaus). Im Spätsommer breitet sich rot blühend der Blutweiderich (Lythrum salicaria) aus und am Saisonende überwiegen blau, gelb und weiß blühende Besonderheiten wie Teufelsabbiss (Succisa pratensis), Großes Flohkraut (Pulicaria dysenterica) und Sumpf-Herzblatt (Parnassia palustris). Mit diesen Spätblühern dominiert zuletzt das hoch aufragende Pfeifengras (Molinia caerulea) den Bestand.

Probleme und Pflege-Arbeiten: Problematisch ist die Ausbreitung des Weidenblättrigen Alant (Inula salicina) und regelmäßig muss die Weidenhecke zurückgeschnitten werden. Die Wiese wird in Abständen jeweils unter Freilassung von Inseln und spätestens nach Abblühen der Spätblüher im Oktober per Einachsmäher gemäht; das Schnittgut wird verbrannt.

ND Enzianwiese

    Kalkmagerrasen am Fuße des Großen Roßberg
    Höhe ca. 750m, Hanglage am Waldrand
    Wenig Beschattung
    Süd-Ost-Ausrichtung

Botanische Besonderheiten: Biotop für Orchideen. Um die Arten und deren Schutzwürdigkeit kennenzulernen, wird die Teilnahme an den Führungen empfohlen.
Sehr früh das tiefe Blau des Frühlings-Enzian (Gentiana verna) und außerdem einige Exemplare Küchenschelle (Pulsatilla vulgaris). Später blühen Ochsenauge (Buphthalmum salicifolium), Großblütige Braunelle (Prunella grandiflora) und Stängellose Kratzdistel (Cirsium acaule). Nach der Mahd kommen z.T. in großen Beständen die für die Fläche namengebenden Spätblüher Deutsche Kranzenzian (Gentianella germanica) und Fransenenzian (Gentianopsis ciliata). Am Waldrand blau und gelb die Bergaster (Aster amellus) und das Sichelblättrige Hasenohr (Bupleurum falcatum).
Im übrigen wachsen auf der Wiese die für Kalkmagerrasen typischen Pflanzen wie u.a. Thymian (Thymus pulegioides), Kleiner Wiesenknopf (Sanguisorba minor), Wilder Dost (Origanum vulgare), Sonnenröschen (Helianthemum nummularium) und Tauben-Skabiose (Scabiosa columbaria).

Pflege-Arbeiten und Probleme: Die Wiese wird unter Freilassung von Inseln sehr früh ab Mitte Juli per Einachsmäher gemäht und das Schnittgut wird verbrannt. Wie bei den anderen Flächen besteht von ortsansässigen Bauern oder Pferdehaltern kein Interesse an der Heugewinnung. Die Gründe sind weite Entfernung, erschwerte Zugänglichkeit, die geringe Futterqualität wegen später Mahd und auch der hohe Anteil von Dornigem Hauhechel (Ononis spinosa) im Futter.

ND Sprungschanze

    Kalkmagerrasen am Fuße des Kleinen Roßberg
    Durchsetzt mit wechselfeuchten Stellen
    Höhe ca. 750 m, leichte Hanglage am Waldrand
    Teilweise Beschattung durch eingesteute Bäume und Sträucher
    Süd-West-Ausrichtung

Botanische Besonderheiten: Biotop für Orchideen. Um die Arten und deren Schutzwürdigkeit kennezulernen, wird die Teilnahme an den Führungen empfohlen.
Für Orchideen ist dies neben der Apothekerwiese die artenreichste der betreuten Flächen. Mit ihr hat sie gemeinsam, dass in Abständen gemäht wird und die lertzte Mahd sehr spät im Jahr erfolgen muss, da bis in den Herbst hinein und während der gesamten Vegetationszeit Seltenheiten blühen und reifen, die eine frühere Mahd nicht vertragen. Die Saison beginnt sehr früh mit der Blüte des Gewöhnlichen Seidelbast (Daphne mezereum) und der Stinkenden Nieswurz (Helleborus foetidus) in einem mit Bäumen bewachsenen Steinriegel. Das Biotop ist besonders reichhaltig bestückt mit spätblühenden Besonderheiten. Darunter die Silberdistel und schließlich viele Exemplare des blauen Fransenenzian neben dem Deutschem Kranzenzian. Gleichzeitig mit diesen erblüht weiß das für die Albhochfläche unerwartete Sumpfherzblatt in großen Beständen.

Pflege-Arbeiten und Probleme: Die Pflege erfolgt mit Balkenmäher und Motorsense in mehreren Schritten jeweils unter Freilassung von Inseln. Außerdem gelegentliche Gehölz-Arbeiten mit der Motorsäge am Steinriegel. Auf dem Rossberg-Gelände besteht eine gute Zusammenarbeit mit dem ansässigen Schäfer, mit dem es manchmal gelingt, die Mähtermine so zu legen, dass er Teile des anfallenden Grases zur Heuverwerung übernehmen kann.


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